Fahrrad in der Aula

Ich fahre auf einem BMX-Rad vor die kreisrunde Aula der Uni. Sie ist gerade nicht bestuhlt, sodass der gläserne Boden freiliegt, der sich wie ein Uhrglas zur Raummitte hin absenkt. Die Wände sind mit dunklem Holz vertäfelt, es riecht nach altem Putzmittel. Durch die zahlreichen Dach- und Wandfenster fällt die sommerliche Sonne, und 15 Meter unter mir sehe ich das Foyer, dort gehen Menschen ein und aus. Die Szenerie erinnert aus der Vogelperspektive an eine Architektur-Visualisierung: Paare im angeregten Gespräch, Menschen, die ihre Taschen bestimmten Schritts in Richtungen bewegen, Sitzende, Offenheit, modern, zeitgemäß, viel Glas, dezentes Metall, ein wenig Holz.

Ich hebe meinen Blick wieder: die Aula scheint eher aus dem 19. Jahrhundert zu stammen, das erklärt auch den mehr als ungewöhnlichen Boden. Ich stoße mich ab und fahre durch die menschenleere Halle, stundenlang – mal geradewegs durch die Mitte, mal in Spiralen, mal mit geringsten Geschwindigkeiten experimentierend in Blumenform. Auf einem Glasboden. In irrwitziger Höhe. Ein unglaublicher Spaß!

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Der Zeckenforscher

Ich döste gerade weg und lernte im Traum einen Zeckenforscher kennen, dessen Lieblingszecke an einer unheilbaren Krankheit litt. Der Forscher erklärte mir, dass er ihr eine letzte Freude gönnen wolle. Dann legte er sie unter Tränen an seinen Unterarm an – wissend, dass sie sich nach ihrer Mahlzeit zum Sterben zurückziehen würde.

Ich glaube nicht, dass ich Zeckenforscher werden könnte, in dem Beruf hat man wahrlich nicht viel zu lachen.


Unter Professoren

Heute habe ich im Traum die drei Hamburger Professoren Eppi, Pi und Poop kennengelernt. In einem ansonsten völlig leeren Kontor standen zwei dunkel gebeizte Stehpulte, zwischen denen die ehrwürdigen Herren dozierend herumspazierten. Im Frack. Und ihr weißes Professorenhaar flatterte im Wind. — Man kann sich seine Klischees im Traum nun mal nicht aussuchen.

Wie nervige Nebendarsteller in Märchen fielen sie sich gegenseitig ins Wort, versuchten sich zu übertönen oder sich ihre Stehpulte streitig zu machen. Unnötig zu sagen, dass sie mich nichtsdestotrotz mit ihrer dauernden Besserwisserei belästigten. Schon einer von der Sorte wäre mir zu viel gewesen!

Gelernt habe ich – wer hätte es gedacht – bei diesen Professoren leider nichts.


Unnützes Wissen – Teil 1

Gerade habe ich im Sekundenschlaf gelernt, wie man als französischer Rechtsanwalt professionell reagiert, falls einen der Staatsanwalt während der Verhandlung am kleinen Zeh anfasst. Kommt angeblich gar nicht mal so selten vor.


Die Abänderung

Kehricht Odrures Rifiuti Garbage

Letzter Kehricht vor der schweizer Grenze

Als Mogelpony eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand es sich unter seinem Bett zu einem ungeheuren Schleimpilz verwandelt. Es lag auf seinem gallertigen Bauch und sah, wenn es den Kopf ein wenig hob, seinen braunen, von bogenförmigen Mustern geteilten Rücken, über ihm wölbte sich der Lattenrost, auf dem sich die durchgelegene Matratze, zum gänzlichen Niedergang bereit, kaum noch halten konnte. Seine vielen, im Vergleich zu seinem sonstigen Umfang kläglich dünnen Tentakeln flimmerten ihm hilflos vor den Augen.

»Wie wäre es, wenn ich noch ein wenig weiterschliefe und alle Narrheiten vergäße«, dachte es, aber das war gänzlich undurchführbar, denn es war gewöhnt, auf der rechten Seite zu schlafen, konnte sich aber in seinem gegenwärtigen Zustand nicht in diese Lage bringen.

Dieser Post ist das Ergebnis einer äußerst anregenden E-Mail-Konversation, die ich vor geraumer Zeit mit einem gewissen K. aus P. zu führen die Ehre hatte. Obwohl ich stets darauf bedacht bin, nur eigenes Material zu veröffentlichen, ist es nicht völlig auszuschließen, dass ein geringer Anteil seiner Erdnuss Eingang in den vorangegangenen Text gefunden hat. Ich fand ihn aber so gut, dass ich ihn unbedingt veröffentlichen wollte. Bei Interesse: Ich habe noch etwa 19 weitere Kapitel „in der Schublade“. MP, 22.05.2011